Nationalsozialisten in der DDR

Neues Forschungsprojekt untersucht Rolle ehemaliger Nationalsozialisten in Wissenschaft und Bildung der DDR / Wanka: "Aufklärung über Vergangenheit"

Viele Bundesministerien haben in den vergangenen Jahren die Vergangenheit ihrer Vorläuferinstitutionen in der Zeit des Nationalsozialismus untersuchen lassen einschließlich der Frage, inwiefern die nach 1949 tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Nationalsozialismus verstrickt waren. Viel weniger untersucht ist dies für die zentralen Behörden der DDR-Verwaltung.

Mit einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten neuen Forschungsprojekt wird sich das ändern. Der Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin wird untersuchen, in welchem Umfang ehemalige Nationalsozialisten in der Wissenschafts- und Bildungspolitik der DDR eine Rolle spielten. Neben dem Ministerium für Volksbildung (MfV) und seiner Vorgängerinstitution, der deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung, sollen das Ministerium für Hoch- und Fachhochschulwesen und seine Vorläuferinstitutionen sowie punktuell die Akademie der Wissenschaften, der Forschungsrat und Teile des Parteiapparats mit einbezogen werden.

"Das Forschungsprojekt des Forschungsverbundes SED-Staat wird der Frage nachgehen, inwieweit Nationalsozialisten in der DDR ihre Karrieren unbehelligt fortsetzen oder neue aufbauen konnten. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus und seiner Nachwirkungen", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. "Dieses Forschungsprojekt ist eine notwendige Ergänzung der Studien, die sich in den vergangenen Jahren der NS-Belastung von Ministerien und Behörden der Bundesrepublik gewidmet haben."

Das BMBF unterstützt den Forschungsverbund SED-Staat über drei Jahre mit insgesamt rund 750.000 Euro. Zudem fördert das BMBF seit 2016 ein Projekt, das sich mit möglichen NS-Belastungen der Vorläuferinstitution des BMBF beschäftigt. Das Institut für Zeitgeschichte München wird die Ergebnisse dieser Studie Ende 2018 vorlegen.