App soll vor Depression warnen

Depressionen treffen Erkrankte in Intervallen. Eine neue App soll Betroffenen dabei helfen, rechtzeitig zu erkennen, ob sie auf eine depressive Phase zusteuern. Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Projekt.

Depressionen haben viele Gesichter: Ursachen, Symptome und Verlauf sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. © Thinkstock

In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als fünf Millionen Menschen an einer depressiven Episode. Das kann sich auf vielfältige Weise zeigen: Erkrankte fühlen sich antriebs- und freudlos, leiden unter Konzentrations- und Schlafstörungen und werden von Selbstzweifel und Ängsten geplagt. Nur selten können sie sich selbst von ihren negativen Gedanken befreien – doch auf professionelle Hilfe müssen Betroffene oft mehrere Monate warten. Wissenschaftler und IT-Spezialisten aus Leipzig und Dortmund entwickeln daher eine App, mit der Patienten ihren Krankheitsverlauf selbst dokumentieren können. Mittels dieser Daten soll das sogenannte STEADY-System, dessen Entwicklung vom Bundesforschungsministerium mit etwa 1,7 Millionen Euro gefördert wird, Patienten rechtzeitig vor einer depressiven Phase warnen.

Die Depression tritt in Episoden auf

Depressionen haben viele Gesichter: Ursachen, Symptome und Verlauf sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Bei den häufigsten Erkrankungsformen tritt die Depression in Episoden auf. Liegt zwischen zwei depressiven Episoden eine symptomfreie Zeit, sprechen Fachleute von einer unipolaren Depression. Möglich ist aber auch ein Wechsel zwischen depressiver und übermäßig guter Stimmung – auch bekannt als bipolare Depression. Mit der STEADY-App wollen die Wissenschaftler Erkrankten dabei helfen, frühzeitig zu erkennen, ob sie auf eine depressive Episode zusteuern.

System weist auf Veränderungen des Befindens hin

Möglich soll das durch das Zusammenspiel von STEADY mit anderen mobilen Apps sowie sogenannten Wearables wie Bio-Sensor-Trackern werden. So wird das System Herzfrequenz, Hauttemperatur und Standort, aber auch abweichende Sprachmuster oder Schlafrhythmen erfassen. All das kann der Patient mit eigenen Daten zu seinem derzeitigen Befinden ergänzen. Ziel ist es, die Patienten genauer als über reine Selbstwahrnehmung auf Veränderungen ihrer Symptomatik hinzuweisen. Wenn bestimmte Muster Veränderungen des Befindens vorausgehen, kann die App darauf hinweisen und Empfehlungen zur Prävention geben. Erkrankte können so bestimmten Ursachen gezielt entgegenwirken.

Patienten bleiben dabei stets Besitzer ihrer Daten

All das kann eine medizinische Beratung jedoch nicht ersetzen. „Uns geht es um Therapieunterstützung“, sagt Katrin Rothmaler vom Institut für Angewandte Informatik der Universität Leipzig. Wer möchte, kann daher seine Daten mit seinem Haus- oder Facharzt, seiner Krankenkasse oder einer Forschungseinrichtung teilen. Patienten bleiben dabei stets Besitzer ihrer Daten, die verschlüsselt durch das System weitergegeben werden. „Unser Ziel ist es, Informationslücken zu schließen und so Diagnose und Therapie zu unterstützen. Bei stabilen Patienten könnten sich so die Intervalle zwischen den Therapiesitzungen vergrößern“, erklärt Rothmaler. Davon soll letztlich die gesamte Gesundheitsversorgung profitieren. Fachärzte und Psychologen hätten mehr Informationen über ihre Patienten – und die Qualität der medizinisch-psychotherapeutischen Versorgung würde sich erhöhen.

Medizintechnische Lösungen für eine digitale Gesundheitsversorgung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) will mit dem Fachprogramm Medizintechnik die medizintechnische Forschung und Entwicklung (FuE) stärken und zugleich die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems sowie die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche am Standort Deutschland ausbauen. Das Programm zielt darauf ab, innovative Ansätze aus der Forschung schneller in die Anwendung zu bringen.